Nachwort zum Experiment

Wie so oft läuft manches anders als geplant. Auch bei meinem Kuscheltier-Experiment lief nicht alles, wie ich mir das vorgestellt hatte. Nachdem ich fast nicht mehr daran glaubte eine Schnittechnikerin zu finden, fand ich sie circa 1000 Kilometer von meinem Heimathafen entfernt. Zweimal stieg ich in den Flieger und reiste nach Berlin. Das erste Mal, um den Ablauf zu besprechen und das Fell für das Hundi auszusuchen.
Aus zig Fellmustern traf ich eine Vorauswahl.  Dadurch hoffte ich, mein knappes Zeitbudget mit einem flotten Abschluss der Besprechung auszugleichen. Frau Seiler hatte bereits den Schnitt entwickelt und ein erstes Modell gefertigt – es gefiel mir auf Anhieb. Sie erzählte mir, dass sie das Projekt „Willy“ nennt. Die Personifizierung helfe ihr bei der Entwicklung des Tieres. Ab diesem Zeitpunkt sprachen wir immer über „den Willy“ und Willy fing an zu leben. Das sollte sich für mich später als kleine Hürde herausstellen …

Der Musterwilly war um einiges größer als die Maße, die ich vorgegeben hatte. Die angepeilten 40 Zentimeter waren um 20 Zentimeter überzogen, Musterwilly hatte demnach eine stolze Größe von insgeamt 60 Zentimetern. „Viel zu groß!“ sagte ich. Frau Seiler meinte, das wäre gar kein Problem – das Schnittmuster ließe sich ohne großen Aufwand verkleinern.

Obwohl ich schon verschiedene Felle vorab ausgesucht hatte, zog sich die Entscheidung für ein bestimmtes Fell hin. Wir probierten hin und her. Ein Fell, das ich vorher gar nicht in Betracht gezogen hatte, nahmen wir in die engere Auswahl – ein anderes verwarfen wir wieder. Letztendlich entschieden wir uns für ein hochwertiges Fell aus Mohair mit längerem Haar und einem rötlichen Ton. Zufrieden mit dem Ergebnis trat ich die Heimreise an.

Zuhause nahm ich mir das gewählte Fell nochmal vor. Hmm, Mohair – ist das überhaupt ein geeignetes Material für ein Spielzeug, das womöglich öfter in Gebrauch ist? Ist Mohair nicht eher etwas für edle Sammlerplüschies? Kann ich im Ernstfall ein Mohairfell einfach in die Waschmaschine stecken, wenn es beim Spielen verschmutzt?
Plötzlich schien alles gegen das Mohairfell zu sprechen, aber ich hielt weiter daran fest. Zu was war ich schließlich nach Berlin gereist? Sollte das alles umsonst gewesen sein?
Ich fragte bei Mister Google nach und erfuhr: Mohair stammt von der Angoraziege und wird  durch, für das Tier qualvolle Schurtechniken gewonnen. Ein Spielzeug für Kinder für das ein Tier leiden muss? Das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Dann wird es eben ein Synthetikmaterial von guter Qualität. Synthetik hat auch den Vorteil, dass es bei Bedarf in der Waschmaschine wieder auf Vordermann gebracht werden kann. Ich nahm vom Wunschgedanken, ein natürliches Material zu verwenden, Abschied. Alles hat seinen Preis – der Preis wäre im Hinblick auf das Tierwohl, in diesem Fall zu hoch.
Ich besprach mich telefonisch mit Frau Seiler – sie war ganz meiner Meinung. Und nun? Jetzt war die Post gefragt. Musterstoffe wurden in Kuverts gesteckt und mit der Post hin und her geschickt. Das war zwar umständlich, letztendlich aber zielführend.

Der Stoff wurde bestellt und Frau Seiler wollte loslegen, sobald das Stoffpaket bei ihr eintreffen würde. Mitten in der Nacht wachte ich auf und überlegte, ob es nicht sinniger wäre, das Tier in der Größe des Musterwillys zu belassen. Ich fragte mich, ob das Kuscheltier in einer kleineren Größe überhaupt so gut wirken würde. Aber was, wenn Frau Seiler den Schnitt schon verkleinert hatte?
Am frühen Morgen rief ich Frau Seiler an. Ich weiß nicht, ob sie am anderen Ende der Leitung wegen dieser wankelmütigen Kundin mit den Augen rollte 😐 Jedenfalls sagte sie mir, dass das Muster bleibt wie es ist, wenn ich das wünsche. Im Nachhinein hat sich diese Entscheidung als genau richtig herausgestellt.

Bevor ich mich erneut auf den Weg nach Berlin machte, recherchierte ich den Namen „Willy“. Ich stellte fest, dass  im Kinderbuchbereich die Willys weit verbreitet sind. Wollte ich einen Willy unter vielen? Eigentlich nicht. Aber umtaufen? Brachte ich das jetzt noch über mich, wo ich doch schon eine ganze Weile – zumindest in Gedanken – mit Willy lebte? 😉 Ich beschloss mit der Namensgebung zu warten bis zum persönlichen Treffen mit Vielleichtwilly 😉

Zum zweiten Mal stieg ich in den Flieger nach Berlin – jemand wollte abgeholt werden … 🙂

Bildquelle:
Marina Tomei

4 replies

  1. Recht getan mit der Fellauswahl, Mari. Wenn sich Kinder für ein Kuschel-Spiel-Tier entschieden haben, dann muss es überall mit. In der Kita hat ein Mädchen einen Kuschelhasen, der Rüdiger heißt. Der geht jeden Tag mit in die Kita und am Nachmittag wieder nach Hause mit ihr. Und waschen muss Mama es wahrscheinlich heimlich 😃

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    • Ja, die Fell-Entscheidung war auf jeden Fall die richtige.
      Kuscheltiere sind wunderbare Begleiter durch die Kindheit und sogar mancher Erwachsener hält sein Kuscheltier von damals in Ehren 🙂
      Rüdiger ist auch ein witziger Name für ein Plüschie 🙂 Jedes Kind sollte ein Kuscheltier haben. Es begleitet und unterstützt ein Kind in allen Lebenslagen 🙂

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    • Mensch, das wäre ´ne Superidee gewesen, aber mittlerweile hat das Kerlchen seinen Namen weg (darüber im nächsten Post).
      Allerdings liebäugle ich damit, früher oder später `nen Kumpel oder `ne Kumpeline zu entwickeln. Sollte es soweit kommen, komme ich gerne nochmal auf dein Angebot zurück 🙂

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