Hinaus in die weite Welt

Von links nach rechts: Mari, ich und Frau Seiler

Es ist soweit! So lange hat Frau Seiler an mir herumgeschnippelt, genäht, gestopft und gedrückt. Und weißt Du was? Sie hat alles super gemacht! Nicht ein einziges Mal musste sie eine Naht auftrennen.

Jetzt ist der Abschied da und wir müssen uns auf Wiedersehen sagen. Sehe ich da etwa eine Träne in Frau Seilers Augenwinkel? Ich bin auch ein bisschen traurig. Frau Seiler war so lieb zu mir und hat sich richtig viel Mühe gegeben, damit ich genauso aussehe wie Mari sich das gewünscht hat. Manchmal fand ich meinen Aufenthalt in der Nähstube ziemlich anstrengend, aber ohne Frau Seiler würde es mich gar nicht geben. Dann wäre Maris Idee für die Katz gewesen. Mari ist ziemlich gut gelaunt – endlich darf sie mich mit nach Hause nehmen. „Wir werden bestimmt mal einen Besuch bei Frau Seiler machen“ sagt sie. „Ja hoffentlich!“ kläffe ich. Frau Seiler drückt mich nochmal fest und dann gehe ich mit Mari hinaus in die weite Welt.

Hier siehst Du das Gebäude, in dem ich zusammengenäht wurde – eine alte Pianofabrik in Berlin

„Potz Blitz Hundi, ich wollte Dir so gerne ein bisschen unsere schöne deutsche Hauptstadt BERLIN zeigen. Aber bei dem Sturm und Regen jagt man keinen Hund vor die Tür!“ „Brrrr“, sage ich, „auf keinen Fall will ich nass werden! Sonst saugt sich mein nigelnagelneues Fell mit Regenwasser voll. Und dann sehe ich wie ein Bettvorleger aus!“ „Machen wir `s uns eben in unserem Zimmer gemütlich.“, meint Mari. „Morgen müssen wir schon ziemlich früh am Flughafen sein. Wir dürfen unseren Flieger nach Stuttgart nicht verpassen.“ Boaaa, ich darf mit dem Flugzeug fliegen? „Genau, Hundi! Du schwebst morgen in einem silbernen Vogel, hoch über den Wolken dahin. Was sagst Du dazu?“ „Hoffentlich kann ich heute Nacht vor lauter Aufregung schlafen!!!“ sage ich.

Also in dem Zimmer ist es ganz schön langweilig – gähhn. Probiere ich halt ein bisschen meine super Ohren aus. „Du bist doch nicht Dumbo, der fliegende Elefant.“, lacht Mari. „Aber vielleicht das fliegende Hundi …“ belle ich. „Keine Flugversuche!“, grummelt Mari. „Das würde wahrscheinlich gar nicht gut für dich ausgehen.“ „Mensch, ich weiß selber, dass ich nicht fliegen kann! Was denkst Du denn?“ Anstatt mir zu antworten, kichert Mari bloß.

Am nächsten Morgen sind wir pünktlich am Flughafen. In der Flughafenhalle ist so viel los, dass mir der Kopf schwirrt. Wir müssen einchecken und durch die Sicherheitskontrolle. „Kosmetikartikel, elektronische Geräte oder Wasserflaschen im Gepäck?“ fragt der Sicherheitsbeamte und lässt Maris Köfferchen durch ein komisches Gerät laufen. „Das ist ein Röntgengerät.“, flüstert mir Mari ins Ohr. „Da können die Beamten sehen, was in unserem Koffer drin ist.“ Ich kann gerade gar nix dazu sagen, so aufgeregt bin ich. Dann sagt Mari zu dem Beamten: „Nein, nichts von alldem – nur dieser Plüschhund.“ Jetzt zeigt sie auf mich. Mir bleibt fast das Hundeherz stehen. Aber der Beamte winkt uns durch ein Tor, das seltsam aussieht. „Jetzt werden wir gescannt, Hundi, du hast hoffentlich kein Taschenmesser in der Hosentasche!?“, fragt Mari und guckt mich ernst an. „Pfff, ich hab´ doch gar keine Hose an, Mari!“ 😐 „Stimmt – das hab´ ich ganz vergessen.“ sagt Mari und grinst frech. Da winkt uns der Beamte schon weiter. „Nix zu beanstanden.“ sagt Mari. Uff, da bin ich aber erleichtert! Dann sitzen wir auch schon in der Wartehalle und warten bis unser Flug aufgerufen wird.

Am Flughafen Tegel

Ich hab´ einen super Platz ergattert, von hier aus kann man beobachten wie die Flugzeuge starten und landen. „Die Flieger kommen aus Amerika und Australien und aus vielen anderen Ländern und fliegen nach Thailand, nach Italien und unter anderem nach Stuttgart.“ erklärt mir Mari. Wow, denke ich, gleich fliege ich auch in so einer Maschine weit fort von Berlin! Ich kann es gar nicht glauben. Und hastdusnichtgesehen, sitz ich auch schon drin und werfe einen Blick aus dem Flugzeugfenster.

Bereit zum Start

Im Flieger nach Stuttgart

„Bitte legen sie ihre Sicherheitsgurte an!“ sagt der Flugbegleiter. Und er sagt noch einpaar andere Sachen. Da höre ich aber nur noch mit einem Öhrchen zu. Mari schnallt mich mit dem Sicherheitsgurt an – sie wird schon alles richtig machen. Ich gucke aus dem Fenster, jetzt wird´s nämlich ziemlich spannend. Das Flugzeug rollt langsam zur Rollbahn. Und dann stoppt es. Mari sieht meinen skeptischen Blick und sagt: „Keine Sorge Hundi, der Pilot checkt nur noch mal die Technik durch. Der Check wird vor jedem Flug gemacht, damit der Pilot weiß, dass alles in Ordnung ist. Wenn alles okay ist, dann ist das Flugzeug fertig zum Take off – so nennt man das, wenn der Flieger startklar ist.“ „Verstanden.“ sage ich und kuschle mich ein bisschen an Mari. Plötzlich heulen die Motoren laut auf – oh je, meine armen Ohren! Das Flugzeug nimmt Anlauf – feeertig zum TAKE OFF!!! Wir rasen mit mindestens 300 Sachen über die Rollbahn – die Landschaft zieht wie in einem schnellen Film an uns vorbei. Die Maschine hebt ab und wir fliegen im Steilflug nach oben. Die Häuser werden kleiner, die Bäume sind nur noch grüne Punkte und der Flughafen ist schon gar nicht mehr zu sehen. Über den Wolken scheint die Sonne. „Wie schön!“ denke ich.
Der Flugbegleiter fragt, ob wir etwas essen und trinken wollen. Mari nickt und sagt: „Ja gerne – wir wollen es uns nämlich richtig gut gehen lassen.“ „Ich hätte gerne ein Würstchen!“ kläffe ich. Der Flugbegleiter schmunzelt und sieht mich an: „Würstchen haben wir leider keine an Bord.“ sagt er und wendet sich dann gleich an Mari: „Da haben Sie aber ein hübsches Kerlchen 🙂 Wie heißt es denn?“ Mari und ich gucken uns überrascht an und ich denke: „Wehe Mari, du sagst jetzt, dass ich Hundi heiße! Da wäre ich stinksauer und würde kein Wort mehr mit dir bellen!“ Mari wendet sich zum Flugbegleiter und sagt lächelnd: „Das ist Marty 🙂 Marty Schuster.“ ❤

Bildquellen:
Marina Tomei

 

2 replies

    • Liebe Manuela,
      seit ich das Hundi in den Fingern habe, fängts an richtig Spaß zu machen. Vorher war das Ganze noch zu abstrakt. Danke für Deine Rückmeldungen – Kommentare von Dir motivieren mich 🙂 Besonders jetzt in der Anfangsphase.
      Ich wünsche Dir ein sonniges Wochenende und ich freue mich immer, von dir zu lesen.
      LG Marina

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