Marty, der Bücherschnüffler

„Hey Mari, gehen wir endlich Gassi?“ „Wie bitte?“ Mari guckt mich ungläubig an. Wir sind doch erst vor einer halben Stunde nach Hause gekommen. Du hast dein Bäumchen begrüßt, hast in der Pfütze gebadet, dein Fell ausgeschüttelt, sodass ich auch von oben bis unten nass war und deswegen laut NEEEIN MARTY SCHUSTER! geschrien habe. Alle Leute haben sich nach uns umgedreht – hast du das etwa schon vergessen?“ Nein natürlich nicht, aber das behalte ich für mich. Statt der Mari zu antworten, setze ich meinen allerliebsten Hundeblick auf. „Brauchst gar nicht zu betteln!“ Mari bleibt hart. „Ist dir vielleicht langweilig?“, fragt sie dann. „Ja, ein bisschen.“, gebe ich zu. „Weißt du was,“, überlegt Mari „ich habe da eine Idee …“

Und zack, sitzen wir in der Bahn Richtung Stuttgart. „Wo fahren wir jetzt hin, Mari?“ „Dahin wo du noch nie warst.“, verrät Mari. Hmm, überlege ich, wo war ich denn noch nie? In der Hundeschule … In der Hundeschule müssen Hunde ganz brav sein und aufs Wort folgen. Und wenn ich das nicht kann? Dann pinkel ich dem Lehrer ans Bein 😉 „Komm Marty, wir müssen aussteigen!“, reißt mich Mari aus meinen Gedanken. „Gehen wir jetzt in die Hundeschule?“ frage ich. „Nein.“, lacht Mari. „Du hast aber auch Ideen …“ Und schon fahren wir eine Rolltreppe hoch, und dann noch ein paar Schritte und da sind wir auch schon 🙂

„Uiiii, was ist denn das für ein riesiger grauer Klotz?“ „Das Marty, ist die Stadtbibliothek von Stuttgart. Da wohnen zigtausend Bücher drin.“ Von außen sieht es tatsächlich ein bisschen wie ein Klotz aus, aber lass uns doch mal reingucken.“

„WOW Mariiii, wer liest den so viele Bücher?“ „Du und ich und viele andere Menschen.“, freut sich Mari. „Aber Mari, ich kann doch noch gar nicht lesen! Was soll ich denn mit so vielen Büchern?“ „Die sollst du auch nicht alle lesen, Marty. Andere wollen ja auch was zum Lesen haben. Aber wir können uns hier Bücher ausleihen. Zum Beispiel kannst du dir ein Buch aussuchen. Wir nehmen es mit nach Hause, ich lese es dir vor und dann bringen wir es wieder zurück. So kann ein Buch von vielen Menschen gelesen werden und man muss es sich nicht extra kaufen.“ „Und das kostet dann nix?“, frage ich skeptisch. „Ein bisschen was kostet es.“, sagt Mari. „Einmal im Jahr muss man einen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Dann bekommt man einen Ausweis und mit dem kann mal alles ausleihen, was man möchte. Komm, wir gucken uns das einfach mal an!“

„Siehst du den PC dort, Marty?“ „Aber JAAAA!.“ „Mit dem können wir auf Büchersuche gehen.“, erklärt Mari. Erinnerst Du dich noch an das witzige Gedicht „Der stärkste Mann der Welt?“ „Klaro Mari! Ich habe nicht nur gute Augen, sondern auch ein  Flotti-Lotti-Gehirn.“ Ach so.“, sagt Mari und grinst. „Dann suchen wir jetzt ein Buch, das womöglich genauso witzig ist wie das vom starken Mann. Das Buch heißt „Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest?“ „Hä, wie soll den ein Nilpferd im Leuchtturm stecken bleiben? Darf das da überhaupt rein?“ „Also das weiß ich jetzt auch nicht.“, gibt Mari zu. „Ich kenne das Buch nicht. Deswegen wollen wir es ja ausleihen. So, du schlauer Hund, jetzt zeig ich dir, welche Buchstaben-Tasten du drücken musst, damit wir das Nilpferd-Buch finden!“

Wir suchen nach einem Nilpferd, das im Leuchtturm feststeckt 😉

Ich drücke die Tasten und der Computer summt. „Was ist los Mari? Stimmt was nicht?“ „Hmm, da ist uns jemand zuvorgekommen – das Buch ist verliehen.“, antwortet sie. „Waas? Woher weißt du das?“ „Das zeigt der Computer an.“, nuschelt Mari und starrt dabei etwas betrübt auf den Bildschirm. „Wir können es vorbestellen. Dann müssen wir eben ein Weilchen auf das Buch warten.“, meint sie nachdenklich. „Warum denn Mari? Hier wohnen doch noch so viele andere Bücher. Können wir nicht ein anderes aussuchen?“ Mari zwinkert mir zu. „Worauf warten wir noch? Los gehts, Marty Schuster!“

Schnüffel, schnüffel, hier riecht`s überall nach Papier. Mmmm, schnupper, schnupper … „Also Marty, willst du die Bücher nicht lieber angucken, anstatt in ihnen herumzuschnüffeln?“ Mari schüttelt leicht den Kopf. „Aber ich will doch ein schönes Buch finden, Mari. Und das soll auch gut riechen.“  „Ach so,“ kichert Mari. „Und deswegen hast du dir jetzt das Nikolausbuch ausgesucht? Riecht das etwa nach Lebkuchen und Zimt?“ „Natürlich nicht Mari, aber der Nikolaus ist so schön angezogen – das gefällt mir soooo gut!“ „Bis zum Nikolaustag dauert es allerdings noch ein bisschen.“, gibt Mari zu bedenken.

Boahh ist das ein schweres Buch! 1-2-3 und UMDREHEN!!! Uahhhhhhh, was ist denn daaaas?!  „Pssst, Marty, wir sind hier in einer Bibliothek, da muss man schön leise sein, weil hier viele Menschen lesen möchten.“ „Mensch Mari, guck mal mal! Das ist ein Ungeheuer!!! Es hat mich erschreckt!“ „Aber Marty, das ist doch nur eine Kuh … Da hat jemand gedacht, ich male diese Kuh bunt. Das gefällt Kindern bestimmt richtig gut.“ „Vielleicht gefällt die Monster-Kuh kleinen Kindern, aber bestimmt nicht mittelgroßen Plüschhunden – grrrr!“ „Na gut,“ lacht Mari, „bevor du wegen dieser Kuh Albträume bekommst, stellen wir die schnell wieder ins Regal!“

„Mari, Mari, darf ich das Buch mit dem Frosch mitnehmen???“ „Ahha, das ist eine Frosch-Gute-Nacht-Geschichte. Aber aufpassen Marty! „Warum?“ frage ich neugierig. „Nicht dass der Frosch unter deine Bettdecke hüpft – quak, quak 😉 “ , quakt Mari. „Hi hi! Der Frosch kann doch nicht aus dem Buch hüpfen 😀 Du bist vielleicht ein Witzbold Mari! Aber fällt dir an dem Frosch was auf?? Guck mal genau hin!“ Mari guckt und guckt, aber ihr fällt nix auf. „Mari bist du blind? Der Frosch hat fast den gleichen Schlafanzug wie ich! Siehst du?“ „Wow, tatsächlich.“ Mari ist baff. „Ohne Froschi geht der Marty nicht ins Bett.“ dichtet sie dann.  Ja,“, kläffe ich froh, „da freue ich mich jetzt schon auf mein Bett! 🙂 “ „Und ich erst!“, sagt Mari.

„Jetzt müssen wir das Buch noch registrieren, wenn wir es ausleihen wollen.“ „Ja dann aber dalli, dalli!“, belle ich. 😀

Hopp hopp

„Hier ist der Computer für die Ausleihe. Marty, leg das Buch bitte hier auf! Und jetzt halten wir den Ausweis an den Scanner. Und schon erscheint das Buch auf unserem Bücherkonto. „Haben wir ´s jetzt geschafft Mari?“ „Jepp, Marty Schuster, jetzt dürfen wir es mitnehmen und vier Wochen behalten.“

„Mari, ich finde die Bibliothek SUUUPER! Nur schade, dass es hier keine Würste gibt 😐 grummel, grummel …“ „Höre ich da etwa dein Bäuchlein knurren? Hast du vielleicht Hunger, Marty Schuster?“ „JA, JA, JA!“, kläffe ich. Na dann folge mir unauffällig!“, flüstert Mari. Hundekuchen nochmal, was hat sie jetzt schon wieder vor?

In der Cafeteria der Stadtbibliothek – Einmal Saitenwürstchen mit Ketchup und Kartoffelsalat für Marty Schuster, bitte!

„Marty, ist das nicht zuviel für dich? Soll ich dir ein Würstchen abnehmen?“ „Alscho Mari – schlabber schleck – wenn du willsch kannsch du denn Kartoffelsalat haben. Die Würschtle fresch isch selber.“
Marty, ich versteh dich nicht. Mach mal den Mund leer!“ sagt Mari. Alscho die Bibliothesch isch schpitsche- wuff!“ Wann gehen wir eigentlisch wieder in die Bibliothesch, Mari?“ Spätestens wenn wir das Buch zurückbringen müssen, Marty Schuster.“. „Nächschtes Mal bekommsch du ein Würschtle ab, Mari, VERSPROCHEN! – Schnüffel, schmatz schlabber, schleck  …“ 😀

4 replies

    • Liebe Manuela,
      sehr gerne nehmen wir dich mit in die Bibli 🙂
      Aber erst machen wir mal einen Besuch in Hamburg und auf den freuen wir uns jetzt schon riesig 🙂 🙂 🙂
      Bis bald und ganz liebe Grüße an die Kinder ❤

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  1. Liebe Marina, du hättest die Freude sehen und das Lachen beim Vorlesen der Geschichte hören sollen. Marty, der Bücherschnüffler war für die Kinder super lustig. Und ganz nebenbei haben sie gehört, wie es in einer großen Bibliothek zugeht. Wir in unserem Minileseklub können uns auch Bücher ausleihen, aber da wird noch handschriftlich „gescannt“, was ausgeliehen wird 😀 Liebe Grüße Manuela

    Gefällt 1 Person

    • Wenn die Geschichte den Kindern gefällt, ist das für mich das schönste Lob. Kinder sind ehrlich – sie lachen nur, wenn es ihnen auch wirklich zum Lachen ist 🙂 Also es freut mich sehr, dass die Geschichte ein Erfolg war.
      Manuela, ich habe dir eine Nachricht über WhatsApp geschrieben. Ich möchte den Kindern gerne was zukommen lassen … 🙂

      Übrigens: Das handschriftliche „Scannen“ hat auch was …

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