Hu hu, wer leuchtet da?

„Na Marty, ist das nicht ein Prachtexemplar?“ Mari legt den Kürbis vorsichtig auf den Tisch. „Hmm,“, kläffe ich, „Kürbissuppe schmeckt zwar lecker, aber ein Würstchen wäre mir lieber!“ „Du denkst doch immer nur an Würstchen!“, meint Mari. „Aber das ist ein echter Laternenkürbis. Aus dem kann man zwar auch Suppe machen, allerdings schmeckt die nicht so gut wie die anderen Kürbissorten.“ „Hä? Und was willst du dann mit dieser riesigen orangenen Laternen-Kürbisbombe, Mari?“ „Halloween steht vor der Tür, lieber Marty. „Hallo wer?“, ich blinzle Mari erstaunt an. „Halloween – das ist ein alter Brauch, der aus Irland stammt. Viele Iren wanderten nach Amerika aus. Und weil sie ihren Brauch weiterhin feiern wollten, verbreitete er sich dann in Amerika. Später kam er zu uns nach Deutschland.“, erklärt Mari. „Capito,“, brummle ich. „deswegen brauchen wir den Brauch jetzt auch.“ „So ungefähr.“, lacht Mari. „Die Menschen dachten, ach was für ein schöner Brauch, den wollen wir auch feiern! Und alle freuen sich über die leuchtenden Kürbisse.“ „Aber Mari, der Kürbis leuchtet doch gar nicht!“, kläffe ich. „Bald leuchtet er Marty und das hat was mit dem irischen Brauch zu tun.“ Mari holt tief Luft und fängt an, eine Geschichte zu erzählen:

„In Irland lebte ein sehr böser Mann und der hieß Jack Oldfield. Dieser böse Mann stellte dem Teufel, der ja auch ziemlich böse ist, eine Falle. Und zack, ging der Teufel in die Falle. Der Teufel weinte und klagte und wollte, dass Jack Oldfield ihn wieder frei lässt. Da sagte der Jack zum Teufel: Ich lass dich nur frei, wenn du mich meine bösen Sachen machen lässt und mich nicht mehr dabei störst. Der Teufel jammerte und sagte: Aber ICH bin doch der Teufel und nicht DU! Jack Oldfield guckte ihn an und sagte: Entweder du versprichst mir, dass du mir nicht mehr in die Quere kommst oder ich lasse dich nicht frei! Überleg es dir! Der Teufel blieb lieber gefangen als Jack so machen zu lassen, wie er wollte. Eines Tages starb Jack. Und weil er so böse war, durfte er nicht in den Himmel.“ Na, das ist ja klar!“, belle ich. „Ja, aber in die Hölle durfte er auch nicht.“, sagt Mari. „Der Teufel hatte keine Lust, den Jack in seinem Höllenreich aufzunehmen und dort wohnen zu lassen. Schließlich hatte Jack ihn so gemein betrogen und der Teufel war immer noch ziemlich sauer deswegen. Aber weil der Teufel doch noch ein klitzekleines bisschen Mitleid mit dem Jack hatte, gab er ihm etwas auf seine ewige Reise mit: Hier hast du eine Rübe mit etwas glühender Kohle drin., sagte er zu Jack. Und jetzt verschwinde von hier! Und damit jagte er ihn aus der Hölle. Seither wandert Jack als Geist mit der leuchtenden Rübe umher.

Diese Geschichte trug sich in der Nacht vor dem Feiertag Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November zu und deswegen leuchten die Kürbisse – früher waren es Rüben – in dieser Nacht. „Und warum heißt dieses Fest Halloween und nicht Rüben- oder Kürbisfest?“, frage ich ein bisschen verwundert. „Das Fest wurde nach der Nacht benannt, in der Jack Oldfield vom Teufel verjagt wurde.“, erklärt Mari. „All hallows eve ist englisch und heißt so viel wie der Abend vor Allerheiligen. Und aus All hallows eve wurde dann Halloween.“ „Uhh!“, belle ich „Was für eine gruselige Geschichte! Ich will auch so einen leuchtenden Kürbis, Mari!“ „Ja, dann legen wir mal los, Marty Schuster!“

„Uii, ist das ein Apfelschäler Mari?“ „Einen Apfelschäler brauchen wir nicht.“, sagt Mari. „Aber wir brauchen Schnitzwerkzeug, damit wir den Kürbis bearbeiten können.“

v. l. n. r.: Halbkreismesser, Handsäge, Handbohrer, Schabelöffel, alter Handbohrer von Maris Oma 🙂

Jetzt wird ´s spannend! Mari zeichnet mit einem Bleistift an dem Kürbis herum, aber sie scheint nicht so richtig zufrieden damit zu sein. „Ach Quatsch!“, murmelt sie und legt den Stift zur Seite. „Wir machen das ungefähr so …“, sie malt mit dem Finger eine Linie nach.
„Hmm …“, brummle ich, hoffentlich wird das was!!! „Nicht verzagen, Mari fragen!“, säuselt Mari und reicht mir Omas Handbohrer. Fest hineinbohren Marty, ja, genau so! Und dann mit der Handsäge den Deckel aufsägen!“

„Ooooh das ist ganz schön anstrengend!“, winsle ich. „Ja Marty, da brauchst du eine ordentliche Portion Muskelschmalz.“, sagt Mari und lässt ihre Muskeln spielen 😉 . „Komm, ich helfe dir ein bisschen.“ Wir sägen und bohren und schwitzen und plötzlich haben wir es geschafft!“ Hau ruck! Und zack lässt sich der Deckel wie ein kleiner Hut herunternehmen.

Ich werfe mal einen Blick in das Innere vom Kürbis. „Die Kürbiskerne und das Fruchtfleisch müssen heraus!“, befiehlt Mari „Jawohl Chef!“ Ich mache eine Verbeugung und schnappe mir den Schabelöffel. Chrr chrrr, einen Löffel nach dem anderen schabe ich aus dem Kürbisbauch heraus bis er leer ist.

„Jetzt braucht unser Kürbis ein Gesicht. Was denkst du?“, fragt Mari. „Soll er grimmig ausschauen oder gruselig oder soll er vielleicht ein bisschen freundlich gucken?“ „Er soll grimmig freundlich gucken.“, belle ich. „Na, das ist keine leichte Aufgabe!“, sagt Mari unschlüssig. Aber dann nimmt sie das Halbkreismesser und prägt die Augen, die Nase und den Mund in das Kürbisgesicht. „Super Mari, genau so habe ich mir das vorgestellt!“, kläffe ich begeistert.

Mari nimmt die Säge zur Hand. „Wir wechseln uns ab. Ich säge die Augen und du die Nase und den Mund. Schön vorsichtig, gell Marty!!“
Ritsch ratsch, ritsch ratsch und fertisch! „Unser Kürbis ist der SCHÖNSTE!!!“, kläffe ich begeistert.

„Hilfe Mari, er will die Kerze fressen!!!“

„Jetzt mach mal halblang, Marty Schuster!“, kichert Mari. „Die Kerze muss sowieso hinein in den Bauch vom Kürbismann. Soll er sie doch ruhig fressen …“ „Nein, lieber nicht!“, kläffe ich. „Sonst kaut er sie womöglich zu Bröseln.“ „Ha, ha.“, lacht Mari, „so viele Zähne hat der doch gar nicht im Mund!“ Zum Schluss landet die Kerze genau da, wo sie hingehört: im Bauch vom Kürbismann 🙂

Jack O., Jack O., du Bösewicht,
mit dem kleinen Kürbislicht.
Irrst herum in allen Gassen.
Kein Mensch will dich ins Haus rein lassen.

Sogar der Teufel schreit laut NEIN!
In die Hölle darfst DU nicht hinein!
Allein mit dem flackernden Kürbismann,
schlurfst du die finsteren Straßen entlang.

Zur Geisterstund´ um Mitternacht,
brennt wild dein Licht in dunkler Nacht.
Die Menschen schlummern in ihren Betten.
Warum warst du nicht einer von den Netten?

Auf ewig verlassen, dir ist Angst und bang.
Dein Herz ist traurig, ein Geisterleben lang.
Erst wenn die Turmuhr einse schlägt,
legst du dich müd´ zur Ruh´.

Im nächsten Jahr an Halloween,
spukst du wieder um
HU HU!

(M. Tomei)

7 replies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.