Kuscheltiere

Steiff-Teddy, mehr als 50 Jahre alt

Wenn ich mit Marty Schuster zum Fotoshooting unterwegs bin, komme ich oft mit Menschen ins Gespräch. Sie fragen mich, was ich denn da mache – es kommt ihnen komisch vor, dass eine Erwachsene ein Kuscheltier fotografisch in Szene setzt. Ich erzähle Ihnen dann von meinem Blog, den es noch nicht so lange gibt und meinem Vorhaben, Kuscheltiergeschichten für Kinder zu schreiben. Oft entwickeln sich daraus lebhafte Gespräche von der eigenen Kindheit über das Elternsein bis hin zum Leben mit Enkelkindern. Eine Frau erzählte vom Verlust des Kuscheltiers ihrer Tochter an einer Autobahnraststätte in Italien. Sie waren schon fast an der Grenze zur Schweiz als der Verlust bemerkt wurde. Das Kind war totunglücklich, folglich die Eltern auch. Sie entschlossen sich zurückzufahren, obwohl die Rückfahrt eine gute Stunde Zeit in Anspruch nehmen würde. Gleichzeitig konnte das Kuscheltier schon lange von jemand anderem gefunden und mitgenommen worden sein. Es gab also keine Garantie auf Erfolg der Suchaktion. Bei der Einfahrt zum Parkplatz der Raststätte sahen sie schon von weitem etwas auf der Leitplanke sitzen. Da saß das verloren geglaubte Kuscheltier und wartete auf seine Familie. Man ging davon aus, dass es von Menschen mit Kindern gefunden wurde, die wussten was ein solcher Verlust bedeutete. Die Familie fiel in einen Freudentaumel, fast so als hätten sie ein verlorenes Familienmitglied wieder gefunden.

Kuscheltiere – ein Spielzeug für alle Fälle

Viele Kinderzimmer sind von Kuscheltieren bevölkert. Auch wenn ein Kind nur ein oder zwei Lieblingstiere hat, umgibt es sich gerne mit den Schmusetieren. Erwachsene bringen vorzugsweise zu verschiedenen Anlässen einen kuscheligen Freund mit. Kuscheltiere wirken auch auf die Großen magisch. An der Stelle möchte ich mal einwerfen: Liebe Erwachsenen, falls ihr kein Plüschie mehr aus eurer Kindheit besitzt, holt euch eins ins Haus. Und selbst, wenn ihr eins besitzt, es freut sich ganz bestimmt über einen Kumpel. In fast jeder erwachsenen Seele sitzt noch ein Kind im Eck – behaupte ich jetzt mal.  Macht ihm doch eine Freude … 🙂

Pädagogisch wertvoll? Aber HALLO …

Ehrlich gesagt, mag ich das Gerede um pädagogisch wertvolles Spielzeug überhaupt nicht. Pädagogisch wertvoll ist, was die Fantasie des Kindes anregt und seine Entwicklung unterstützt. Da braucht es nicht das neuste Wissenspiel von Grumpeldibumpel 😉 Stattdessen können es ein paar Stöcke sein, die auf dem Waldboden aufgesammelt wurden. Das Kind könnte sich damit verletzen? Es wird lernen, „pädagogisch wertvoll“ mit dem Fund umzugehen. Sich oder einem anderen damit ein Auge auszustechen kommt eher selten vor. Ich kenne keinen einzigen Fall.

Kuscheltiere sind, soweit das Kind nicht unter einem riesigen Haufen Plüschies erstickt wird, ein Spielzeug das dem Kind hilft, seine Gefühle kennenzulernen und auszudrücken.
Mit ihm kann das Kind jederzeit kuscheln und schmusen auch wenn Mama und Papa gerade mal nicht verfügbar sind. Es vermittelt den Kleinsten Wärme und Geborgenheit. Deswegen ist es in vielen Kinderbetten eine unentbehrliche Einschlafhilfe.

Für das Kind ist sein Plüschie ein echtes Gegenüber. Obwohl von dem Tier, mit Erwachsenenaugen betrachtet, nichts zurückkommt, legt das Kind seine Gefühle in das Tier hinein und erweckt es damit zum Leben. Manchmal läufts nicht so rund  im Alltag eines Kindes. Der beste Kindergartenfreund hat keine Lust zum Spielen? Dann kann es schon mal sein, dass das Plüschie den Frust abbekommt und gegen die Wand fliegt. Aber keine Sorge, das tut ihm nicht weh 😉 Gerade ein geliebtes Plüschtier eignet sich bestens um den Umgang mit Wut, Enttäuschung, und ähnlich negativ besetzten Gefühlen auszutesten. Dem Kindergartenfreund bleibt in dem Fall eine ordentliche Klatsche erspart 😉 Dafür wird das Sozialverhalten geschult  und die soziale Kompetenz gefördert.
Auch kleine Geheimnisse sind bei dem kuscheligen Freund gut aufgehoben. Vertrauen gegen Vertrauen 🙂

Ein besonderes Kuscheltier

Warum gerade das Kuscheltier von Oma Erika ankommt und das von Tante Helga in der Ecke liegen bleibt, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich ist das einfach Geschmackssache. Manchmal wird auch einem bereits beschädigten Stofftier, dem womöglich ein Auge fehlt, alle Liebe entgegengebracht. Ist erst mal das Kinderherz erobert, sind die Beiden ziemlich dicke. Über die Jahre kann das Plüschie dann ziemlich abgeliebt werden. Wohlmeinende Eltern, Omas, Tanten, etc. sollten das Plüschie niemals ersetzen, denn mit dem neuen Kuscheltier lässt sich oft die alte Beziehung nicht wieder herstellen. Manchmal bedeutet schon ein Waschgang in der Waschmaschine das Ende einer großen Liebe. Der geschätzte Geruch des Plüschies ist mit den Schmutzpartikeln aus dem Kuschelfell gespült worden. Also liebe Eltern, solange das Tier nicht von Läusen befallen wird, ist alles gut 😉 Und selbst dann sollten alle zur Verfügung stehenden Rettungsmaßnahmen unternonmmen werden … 🙂

Das Kuscheltier als Weggefährte

Das Kuscheltier dient Kindern als Übergangsobjekt von der Kindheit über die Pubertät ins Erwachsenenleben. In der Pubertät verliert es seine Wichtigkeit, behält aber als Verbindung zur Kindheit seinen Wert. So haben die Kuschler oft auch bei Erwachsenen noch einen Ehrenplatz im Wohnzimmerregal und erinnern an schöne und weniger schöne Tage in einem Land das niemals wiederkehrt – dem fernen Land der Kindheit.

Bildquelle:
Marina Tomei